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IKZ 109, 2019 Heft 1 / issue 1

Zusammenfassungen / Summaries

 

The compatibility of ecumenical dialogues. A case study based on the dialogue between the Mar Thoma Syrian Church and the Old Catholic Union of Utrecht viewed from an Old Catholic perspective

Urs von Arx

Zusammenfassung
Der Beitrag ist ein Kommentar zu den drei Erklärungen, die von 2011 bis 2014 in einer gemeinsamen Konsultation von Theologen der Syrischen Mar-Thoma-Kirche (MTSC) und der Altkatholischen Kirchen der Utrechter Union mit dem Ziel entstanden sind, die Möglichkeit einer Kirchengemeinschaft zwischen den beiden Kirchen zu erkunden. Der Verfasser geht so vor, dass dieser Dialog in den weiteren Kontext der bisher von der Altkatholischen Kirche geführten Dialoge bzw. der von ihr mit anderen Kirchen vereinbarten Kirchengemeinschaften gestellt wird; damit ist eine altkatholische Perspektive gegeben.
Die frühesten Dialogpartner der Utrechter Union auf der Suche, die Einheit der Kirche in altkirchlicher Orientierung wiederherzustellen, waren einerseits Anglikaner, andererseits Orthodoxe. Mit den Anglikanern kam 1931 auf einer eintägigen Sitzung die sogenannte Bonner Vereinbarung zustande, die den Boden bereitete für eine kirchliche Gemeinschaft mit der weltweiten Anglican Communion, aber nicht artikulierte, was das gemeinsam Wesentliche des Glaubens als Grund der bestehenden kirchlichen Gemeinschaft ist. Mit den Orthodoxen konnte in den 1970er- und 1980er-Jahren ein theologisch ausführlicher und anspruchsvoller Dialog abgeschlossen werden, aber die angestrebte kirchliche Gemeinschaft liess sich nicht verwirklichen. Die beiden Dialoge stecken gleichsam das Feld möglicher ökumenischer Arbeit mit altkatholischer Beteiligung ab.
Die bilateralen Dialoge mit der römisch-katholischen Kirche einerseits und mit der Kirche von Schweden andererseits gleichen hinsichtlich des differenzierenden theologischen Aufwands viel mehr dem Dialog mit der Orthodoxie (wobei die angestrebte kirchliche Gemeinschaft mit der Kirche von Schweden 2016 zustande kam). Noch ohne theologischen Dialog kam es 1965 zur kirchlichen Gemeinschaft mit der Unabhängigen Philippinischen Kirche sowie mit der Spanisch-Reformierten Episkopalkirche und der Lusitanisch-Katholischen Kirche Portugals, und zwar aufgrund dessen, was Transitivität genannt wird: Da diese drei Kirchen wie auch die Utrechter Union je mit Kirchen der Anglican Communion in Gemeinschaft stehen, sollte diese auf alle beteiligten Kirchen ausgedehnt werden.
Dass im Fall des bilateralen Dialogs zwischen Utrechter Union und der MTSC, die ja beide ebenfalls je in kirchlicher Gemeinschaft mit Kirchen der Anglican Communion stehen, nicht gleich verfahren wurde, hat mit dem durch die anderen neueren Dialoge geschärften altkatholischen Bewusstsein zu tun, dass jeder neue Dialog theologisch mit den älteren im Wesentlichen kompatibel sein muss. Da die MTSC durch eine Verschmelzung altorientalischer Traditionen mit einer vom «evangelikalen» Anglikanismus des 19. Jahrhunderts inspirierten Reformbewegung gekennzeichnet ist, liegt diesbezüglich eine besondere Herausforderung vor. Dies zeigt sich einerseits beim Thema der Christologie (unter Einschluss der Stellung Marias), insofern diese ihre grundlegenden Aussagen den sieben Ökumenischen Konzilen der Alten Kirche verdankt, welch Letztere aber von den beiden Kirchen in unterschiedlicher Weise anerkannt werden, andererseits in Fragen der Heiligenverehrung und des Gebets für die Verstorbenen. Der Beitrag versucht, in den drei Dokumenten einige problematische Aspekte und verpasste Chancen zu identifizieren – dies in der Hoffnung, dass die Kommission bald einen überarbeiteten und zudem kohärenteren Gesamttext vorlegen wird.

Keywords – Schlüsselwörter
Old Catholic ecumenism – Ecumenical Councils – Christology – Compatibility of bilateral dialogues – Mar Thoma Syrian Church

Inter-(ecclesial-)cultural Learning as Receptive Ecumenism. Prospects for an Intra-Christian Dialogue

Douglas Pratt

Zusammenfassung
Der Beitrag erkundet «Receptive Ecumenism» als Strategie für interkulturelles und zwischenkirchliches ökumenisches Lernen. Er untersucht das Konzept im Hinblick auf den relationalen Prozess der Christusähnlichkeit; als transformative Praxis, in ökumenischer Weise Kirche zu sein; als relationale Dynamik kirchlicher Partnerschaft in der missio Dei; und als ekklesiale Identität der Zusammengehörigkeit in Christus. Die Konferenz, bei der dieser Beitrag erstmals präsentiert wurde, bezog zwei Ebenen oder Formen von Interkulturalität ein, nämlich die Kulturen vor Ort (indisch und europäisch) und die kirchlichen Identitätskulturen (Mar Thoma und altkatholisch). Dementsprechend endet der Beitrag mit der Frage, wie «Receptive Ecumenism» die Beziehungen zwischen den Mar Thoma und den altkatholischen Gemeinschaften sowie andere bilaterale ökumenische Beziehungen prägen könnte.

Summary
This paper explores Receptive Ecumenism as a strategy of intercultural and inter-ecclesial ecumenical learning. It examines the concept in terms of the relational process of being Christ-like; as transformative praxis, or being Church ecumenically; as the relational dynamic of being an ecclesial fellowship in missio Dei; and as the ecclesial identity of belonging together in Christ. The conference at which this paper was first presented engaged two levels or forms of interculturality, namely, the cultures of place (Indian and European) and the cultures of ecclesial identity (Mar Thoma and Old Catholic). Accordingly, this paper concludes by asking how Receptive Ecumenism might inform relations between the Mar Thoma and Old Catholic Church communities as well as other bi-lateral ecumenical relationships elsewhere.

Key Words – Schlüsselwörter
Receptive Ecumenism – Mar Thoma Church – Old Catholic Churches – ecumenical relations – intercultural learning

«Oldest and in many ways a most important Christian community». Die Thomaschristen in den Debatten der protestantischen Elite Südindiens zwischen 1890 und 1910

Klaus Koschorke

Summary
Towards the end of the 19th century, Chennai (then known as Madras) became the centre of a small, but influential Protestant Indian elite. This group enjoyed a reputation as a “progressive community” and viewed itself – despite being a minority within a minority – as standing at the forefront of India’s social, religious and spiritual progress. They took very little account of earlier forms of Indian Christianity such as Roman Catholicism or the churches of the Syrian tradition. After 1900, in response to the growing national spirit in India, this began to change. The St Thomas Christians began to be seen increasingly as the “oldest and in many ways most important Christian community”. They also began to play an important role in the early ecumenical movement of India.
Zusammenfassung
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Madras (heute Chennai) sich zum Zentrum einer kleinen, aber einflussreichen protestantischen Elite. Sie galt als „progressive community“ und sah sich selbst – obwohl nur eine Minderheit innerhalb einer Minderheit – an der Spitze des sozialen, religiösen und spirituellen Fortschritt Indiens. Ältere Formen des indischen Christentums (wie der römische Katholizismus und vor allem die Kirchen der syrischen Tradition) spielten in ihrer Wahrnehmung kaum eine Rolle. Dies änderte sich erst um 1900 unter dem Einfluss des neuen nationalen Bewusstseins in Indien. Die Thomaschristen galten nun zunehmend als oldest and in many ways a most important Christian community”. Auch in der indischen Ökumenebewegung des frühen 20. Jahrhunderts spielten sie zunehmend eine wichtige Rolle.
Schlüsselwörter – Keywords

Indien – Thomaschristen – Christian Patriot – indigen-christliche Journale – protestantische Madras-Elite

India – St. Thomas Christians – ‘ Christian Patriot’ – indigenous Christian journals – Protestant Madras elite


The Bonn Agreement (1931) as a key to Transitivity in Old Catholic Mar
Thoma Ecumenical Relations


Joseph Daniel

Summary
The search for new approaches to the establishment of communion between churches requires churches to take every opportunity to enhance these relationships in the lives of the churches. This article seeks to apply the ecumenical principle of transitivity to the relationships between the Old Catholic and Mar Thoma churches. The Bonn Agreement of 1931 provided a framework not only for the ecumenical relationship between the Old Catholic churches of the Union of Utrecht and the Anglican Communion, but also for that between the Mar Thoma Church and the Anglican Church in India. This article argues that in an analogous fashion the Bonn Agreement could provide the basis upon which a similar relationship between the Old Catholic churches of the Union of Utrecht and the Mar Thoma Church could be established.
Zusammenfassung
Die Suche nach neuen Herangehensweisen für die Herstellung von Gemeinschaft zwischen Kirchen erfordert, dass Kirchen jede Gelegenheit ergreifen, solche Beziehungen im kirchlichen Leben zu fördern. Dieser Beitrag versucht, das ökumenische Prinzip der Transitivität auf die Beziehungen zwischen den altkatholischen Kirchen und der Mar-Thoma-Kirche anzuwenden. Die Bonner Vereinbarung von 1931 bot einen Rahmen für die ökumenische Beziehung zwischen den altkatholischen Kirchen der Utrechter Union und der Anglikanischen Gemeinschaft, aber auch für die Beziehung zwischen der Mar-Thoma-Kirche und der anglikanischen Kirche in Indien. Sie könnte – so das Plädoyer dieses Beitrags – in analoger Weise die Grundlage für die Beziehung zwischen den altkatholischen Kirchen der Utrechter Union und der Mar-Thoma-Kirche bieten.

Keywords – Schlüsselwörter
Bonn Agreement – Transitivity – Mar Thoma Church – Anglican Communion – Old Catholic Churches of the Union of Utrecht

 

Pastoral Challenges: Diakonia and Mission today

Isaac Mar Philoxenos

Summary
This article evaluates the challenges in ministry and mission in the present context, in which new forms of religious consciousness and the need to understand the ‘other’ have emerged. It is necessary to redefine or re-imagine the diaconal dimension of the church and its impact in the society. The article presents a call to understand mission more in terms of witness, alongside the traditional understanding of ‘sending out’ or ‘being sent out’. The journeying presence of God provides strength and new insights for mission. The pilgrim community is primarily responsible for the transformation of the life of the people, and this includes the expansion of boundaries so as to work for the inclusion of all in the kingdom of God.
Zusammenfassung
Der Beitrag setzt sich mit den Herausforderungen an Amt und Mission im heutigen Kontext auseinander, in dem neue religiöse Bewusstseinsformen und die Notwendigkeit, «den Anderen» oder «die Andere» zu verstehen, in Erscheinung tritt. Es ist notwendig, die Dienstfunktion der Kirche und ihre gesellschaftlichen Auswirkungen neu zu beschreiben oder neu zu imaginieren. Der Beitrag ruft dazu auf, «Mission» neben dem traditionellen Verständnis von «aussenden» oder «ausgesandt sein» im Sinne von «Zeugnis» zu verstehen. Gottes reisende Präsenz verleiht Kraft und neue Einsicht zur Ausführung der Mission. Die pilgernde Gemeinschaft ist primär für die Veränderung des Lebens von Menschen verantwortlich, allenfalls auch für die Ausweitung von Grenzen zum Wohl des Einschlusses aller in das Gottesreich.

Keywords – Schlüsselwörter
Mar Thoma-Kirche – Indien – Mission – Diakonie – Gegenwart Gottes
Mar Thoma Church – India – mission – diakonia –presence of God

 

 
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