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IKZ 108, 2018 Heft 3-4 / issue 3-4

Zusammenfassungen / Abstracts

 

The Reformation and Brexit. History, historiography and the position of the United Kingdom in Europe

Charlotte Methuen

Summary
This article explores the use of the English Reformation as a motif in the debates about Brexit. It argues that such references, which are often highly polemic, mirror an ambiguity about the relationship between the English and the continental Reformation which is deep-rooted in the historiography of the English Reformation. In contrast, the historiography of the Scottish Reformation recognises a clear influence from Geneva, affirming the links between the Church of Scotland and other Reformed churches. The final section considers how confessional identity correlated with voting patterns in the 2016 EU referendum, and contrasts these to the results of the 1975 referendum on membership of the European Economic Community (EEC).

Zusammenfassung
Der Beitrag untersucht, wie die englische Reformation argumentativ in Debatten über den Brexit verwendet wurde. Derartige, oft ausserdordentlich polemische Verweise spiegeln die Ambivalenz im Hinblick auf das Verhältnis zwischen der englischen Reformation und der Reformation auf dem europäischen Festland wider, die in der Geschichtsschreibung über die englische Reformation wurzelt. Im Gegensatz dazu anerkennt die Geschichtsschreibung über die schottische Reformation den klaren Einfluss Genfs und bestätigt die Verbindungen zwischen der Kirche von Schottland und anderen reformierten Kirchen. Im letzten Abschnitt des Beitrags wird die Beziehung zwischen konfessioneller Identität und Abstimmungsverhaltensmuster im Referendum über die EU des Jahres 2016 näher betrachtet und diese den Abstimmungsergebnissen des Referendums von 1975 über die Mitgliedschaft in der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft im Jahr 1975 gegenübergestellt.

Key Words – Schlüsselwörter
Reformation – EU referendum – Reformation historiography – English Reformation – Scottish Reformation – Brexit

 

Neue Herausforderungen an die Kirchengeschichte: Abschied von den Katharern oder Neubesinnung auf die Quellen?

Daniela Müller

Summary
The contribution first considers new methodological approaches that examine well-known sources from the perspective of a hypercritical postmodern reading, which results in the categorization of many famous people and movements as ‘merely the inventions’ of contemporary authors. In recent years, this method has been increasingly applied to the heterodox movement of the Cathars in the High Middle Ages.
In order to demonstrate that the Cathars cannot simply be dismissed as a contemporary ‘fabrication’ of theologians and inquisitors, but throughout their development their consistent points of reference were Jesus and early Christianity, this contribution concentrates on the Cathar conceptions of being ‘the true church’ and, in particular, on the central rite of the Cathars – the so-called ‘baptism of the Spirit’ – the consolamentum. The consolamentum constituted the only Cathar sacrament and served to anoint the leaders of the Cathar Church and the loyal faithful on their deathbed.
Through their emphasis on the baptism of the Spirit, the Cathars accentuated the Christian faith; whereby, a new anti-ritual against what they considered to be a ‘corrupt’ dominant church was created. Indeed, the elements and ideas to construct the anti-ritual were (selectively) adopted from the contemporary environment – contemporaneous Christianity in particular. These were subsequently modified to legitimize the larger goal of building an alternative church, the ecclesia Dei of the Cathars. In contrast to most historical studies of the last century that actually draw from records of the Inquistion, this article is based on source materials recorded by the Cathars themselves.

Zusammenfassung
Der Beitrag widmet sich im ersten Teil den neuen methodischen Ansätzen, die bekannte Quellen aus dem Blickwinkel einer hyperkritischen postmodernen Lesart untersuchen und daraus zu folgern, dass bekannte Personen und Bewegungen lediglich <Erfindungen> zeitgenössischer Autoren seien. Dies wird in den letzten Jahren vermehrt auch auf die heterodoxe Bewegung der Katharer im Hochmittelalter zugepasst.
Um zu zeigen, dass die Katharer nicht einfach als zeitgenössische  <Fabrikation> von Theologen und Inquisitoren abgetan werden können, sondern dass sie sich in ihrer Entwicklung unaufhörlich auf Jesus und das frühe Christentum beziehen, konzentriert sich der Beitrag auf die Vorstellung der Katharer, die ‚wahre Kirche‘ zu sein und insbesondere auf den zentralen Ritus der Katharer, die sogenannte <Geist-Taufe>, das consolamentum. Das consolamentum bildete für die Katharer das einzige Sakrament und wurde verwendet, um sowohl die geistlichen Leiter der Katharerkirche zu salben, wie auch treue Gläubige auf ihrem Sterbebett.
Durch die Betonung der Geisttaufe akzentuierten die Katharer den christlichen Glauben so, dass ein neues Anti-Ritual gegen die als korrupt angesehene dominante Kirche geschaffen wurde. Trotzdem wurden die Elemente und Ideen zum Aufbau des Anti-Rituals (selektiv) aus dem zeitgenössischen Umfeld, insbesondere aus dem zeitgenössischen Christentum, übernommen. Diese selektierten Elemente wurden an das übergeordnete Ziel angepasst, den Aufbau einer Alternativkirche, der ecclesia Dei der Katharer, zu legitimieren. Im Gegensatz zu den meisten historischen Studien der letzten Jahrzehnte, die hauptsächlich auf den Aufzeichnungen der Inquisition basieren, stützt sich der Artikel auf Quellen, die von den Katharern selbst verfasst wurden.

Key Words – Schlüsselwörter
Katharer – Ritual – Taufe – Postmoderne – Source Criticism

 

Meeting Christ in the church. Church and Eucharist as the “body of Christ” in the theology of Robert W. Jenson

Louis C. Runhaar

Zusammenfassung
Wie könnte das theologische Denken Robert W. Jensons (1930-2017) über den Leib Christi zur altkatholischen theologischen Reflexion über Kirche und Eucharistie beitragen? Der Autor plädiert dafür, Jensons Theologie über die Gegenwart Christi als Versuch zu verstehen, westliche Theologie besser zum Ausdruck bringen zu lassen, wie der Leib Christi hier und jetzt in der Kirche und in der Eucharistie zur Verfügung steht. Obwohl eine Reihe Fragen im Hinblick auf Jensons Verständnis der konstitutiven Rolle historischer Narrative und auf seine Bewertung klassischer Metaphysik bleiben, könnten seine eschatologische Orientierung (v. a. im Rekurs auf die ungeteilte Kirche), seine Betonung der grundlegenden Bedeutung biblischer Erzählungen und sein Verständnis von Christi Gegenwart in der Gemeinschaft der Kirche ausgezeichnet zu altkatholischem Denken beitragen.

Summary
In this essay the author tries to explore how the theology of Robert W. Jenson (1930-2017) concerning the body of Christ might contribute to Old Catholic thinking on the church and the eucharist. Jenson’s theology on the presence of Christ should be seen as an attempt to make western theology better able to articulate how the body of Christ is available here and now in the church and in the eucharist for the church. Even though questions remain with regard to Jenson’s view of the constitutive role of historical narratives and his valuation of classical metaphysics, his eschatological orientation (especially in his recourse to the undivided church), his emphasis on the fundamental importance of biblical narratives, and his understanding of Christ’s presence in the community of the church might contribute greatly to Old Catholic thought.

Key Words – Schlüsselwörter
Communio Ecclesiology – Sacramentology – Ecumenism – Narrative Theology – Old Catholic Theology

 

Ereignisse in der Assyrischen Kirche des Ostens in jüngster Zeit (1997-2016)

Wolfgang Schwaigert

Zusammenfassung
Der Bericht geht auf die jüngsten Entwicklungen in der Assyrischen Kirche des Ostens ein und thematisiert dabei einerseits den Dialog der Assyrischen Kirche mit der römisch-katholischen Kirche. Andererseits werden die vielseitigen Umbrüche innerhalb dieser Kirche ausgeführt, die das aktuelle Geschehen der Kirche zwischen den USA und Hongkong prägen.

Summary
The report discusses recent developments in the Eastern Assyrian Church; whereby, it examines, on the one hand, the dialogue between the Assyrian Church with the Roman Catholic Church. On the other hand, it explains the versatile changes within this church that shaped current events between the USA and Hong Kong.

Key Words – Schlüsselwörter

Assyrische Kirche des Ostens – Ökumene – Römisch-Katholische Kirche – Mar Dinkha IV.

 

 

 

 
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