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IKZ 108, 2018 Heft 2 / issue 2

Zusammenfassungen / Abstracts

 

Die Herausforderung durch die Anderen. Bericht über die 45. Internationale Altkatholische Theologenkonferenz

Angela Berlis

Zusammenfassung
Der Beitrag beschreibt die Vorträge und Diskussionen der 45. Internationalen Altkatholischen Theologenkonferenz in Neudietendorf (Deutschland) zum Thema «Die Herausforderung durch die Anderen» anhand der drei thematischen Schwerpunkte: a) In den Augen der Anderen entdecken, wer wir sind: Ökumenische Wahrnehmungen, b) Sakramente als Schnittpunkte gottmenschlicher Beziehung, c) sich von der Not Anderer herausfordern lassen.

Summary
The article describes the lectures and discussions of the 45th International Old Catholic Theologians Conference in Neudietendorf (Germany) with the theme “The Challenge of the ‘Others’”. The account includes a) the ecumenical perception: we discover who we are in the eyes of others. It considers b) the conference contributions on sacraments as the intersection of the relationship between God and people. The author also addresses c) the papers and discussion on allowing the needs of others to challenge ourselves.

Schlüsselwörter – Key Words
“Othering” von anderen – Herausforderungen – Ökumenische Wahrnehmungen – Sakramente – Diakonie

 

Die Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften und das Sakrament der Ehe(einsegnung).
Ein Beitrag zur aktuellen Diskussion in der altkatholischen Kirche und Theologie

Mattijs Ploeger

Summary
Western European Old Catholic churches have accepted same-sex relationships over the last few decades. This development took place without much theological-anthropological reflection. As these churches have now decided to bless same-sex relationships, they have to answer – for themselves and in the ecumenical context – questions regarding the sacramentality of such blessings and regarding the comparison between same-sex relationships and heterosexual marriage. Based on a wider concept of sacramentality than just “the seven sacraments”, the sacramentality of samesex
blessings can be affirmed. As to the comparison with marriage, notions such as fertility and family can be interpreted metaphorically in order to include same-sex relationships, which can be icons of God’s and Christ’s love as heterosexual marriage can. However, more important than affirming the “identity” of same-sex relationships and marriage is the affirmation of “difference” and the acceptance of each other’s “otherness” within the communion of the Church and the world.

Zusammenfassung
Die westeuropäischen altkatholischen Kirchen haben im Lauf der letzten Jahrzehnte gleichgeschlechtliche Partnerschaften akzeptiert. Diese Entwicklung fand ohne längere theologisch-anthropologische Reflexion statt. Da diese Kirchen sich nun dazu entschieden haben, gleichgeschlechtliche Partnerschaften zu segnen, müssen sie – für sich selbst und ihren ökumenischen Kontext – Fragen hinsichtlich der Sakramentalität solcher Segnungen und der Vergleichbarkeit zwischen gleichgeschlechtlichen Partnerschaften und heterosexueller Ehe beantworten. Ausgehend von einem weitergefassten Konzept von Sakramentalität als nur das «der sieben Sakramente» kann die Sakramentalität von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften bejaht werden. Vergleichbar zur Ehe können Begriffe wie «Fruchtbarkeit» und «Familie» im metaphorischen Sinne interpretiert werden, um gleichgeschlechtliche Partnerschaften einzuschliessen, die ebenso wie heterosexuelle Ehen Ikonen der Liebe Gottes und Christi sein können. Jedoch ist die Bejahung der „Unterschiedlichkeit“ und die Akzeptanz des gegenseitigen «Andersseins» innerhalb der Gemeinschaft der Kirche und der Welt wichtiger als die «Gleichheit» von gleichgeschlechtlicher Partnerschaft und Ehe.

Schlüsselwörter – Key Words
Homosexualität – Segnung – Ehe – Sakrament – altkatholische Theologie

 

Diaconal Service in the Postcolonial Condition

Eleonora Hof

Zusammenfassung
Angeregt durch die derzeit fehlende Beschäftigung mit der postkolonialen Theorie innerhalb der Diakoniewissenschaft stellt dieser Artikel eine erste Erkundung des Zusammenspiels dieser beiden Disziplinen vor. Die Autorin legt dar, dass diakonale Arbeit das Erbe des Imperiums mit sich trage, und schildert drei Fallen, die diakonale Arbeit gegenwärtig belasten, verbunden mit drei Vorschlägen für den diakonalen Dienst heute: Erstens das Versagen, den Dienst vor Ort und den im Ausland miteinander zu verflechten; stattdessen könnte «Planetarität» als Modell dienen, den Erdball gemeinsam zu bewohnen. Zweitens der Trugschluss der Verschwiegenheit, wenn eine «Kultur des Stolzes» kombiniert mit einer Klassenunterscheidung einen egalitären, gemeinschaftlichen Dienst verhindert; Vertraulichkeit als professioneller Verhaltenscode zielt darauf, die Verschwiegenheit hinter sich zu lassen. Drittens der Trugschluss, Klasse und Ethnizität zu ignorieren, während man sich bemüht, die Armut zu lindern, ohne die Ursachen von Armut zu beachten. Stattdessen sollte die Kirche in prophetischer Weise handeln und Wahrheit zur Macht sprechen. Dieser Beitrag plädiert daher für ein «Post-Diakonat», verwandt mit «Postdevelopment» («Nachentwicklung»): die Bindung an koloniale Bedingungen hinter sich zu lassen und sich über die Subjekt-Objekt-Unterscheidung von Geber und Empfänger hinaus auf einen gemeinschaftlichen, kritischen, prophetischen und planetaren Dienst und ein ebensolches Zeugnis in der Welt hinzubewegen.

Summary
Spurred by the current lack of engagement with postcolonial theory within diaconal science, this article presents an initial exploration of the interaction between these two disciplines. Arguing that the praxis of diaconal work carries with it the legacy of empire, the author provides three pitfalls plaguing diaconal work at present, together with three suggestions for diaconal service today: First, the failure to integrate service at home and abroad; instead, planetarity as a model for cohabitating the globe; second, the fallacy of secrecy, where a “culture of proudness” combined with class distinctions prohibit egalitarian, communal service; confidentiality as professional code of conduct aims to move beyond secrecy. Third, the fallacy of ignoring class and race, while striving to alleviate poverty, without taking note of the root causes of poverty. Instead, the church needs to embrace prophetic action and speak truth to power. This article calls therefore for post-diaconate, akin to post-development: to leave behind the bind of the colonial condition and to move beyond the subject-object distinction of giver and receiver towards communal, critical, prophetic and planetary service and witness in the world.

Key Words – Schlüsselwörter
Missiology – postcolonial studies – diakonia – subalternity – decoloniality

 

«Teilen verbindet. Urteilen trennt». Diakonische Projekte in der Christkatholischen Kirche der Schweiz

Christoph Schuler

Summary
In his response on Eleonora Hof’s article, the author outlines the history and basic principles of diaconal service in the Old Catholic Church of Switzerland. The Church’s public social aid, called “Partner sein” (“Being partners”), is nowadays involved in national campaigns (e.g. during the Lenten season) and international projects. “Partner sein” especially cooperates with churches which are in communion with the Old Catholic Church. As the Church’s history shows, diaconal service’s origins do not lie in postcolonial interests, but in Christian charity.

Zusammenfassung
In seiner Reaktion auf Eleonora Hofs Beitrag skizziert der Autor die Geschichte und Grundprinzipien des diakonischen Dienstes in der Christkatholischen Kirche der Schweiz. Die öffentliche soziale Hilfseinrichtung «Partner sein – Etre Partenaire» ist an nationalen Aktionen (etwa während der Fastenzeit) und an internationalen Projekten beteiligt. Für letztere arbeitet «Partner sein» insbesondere mit Kirchen zusammen, die in Gemeinschaft mit der Altkatholischen Kirche stehen oder diese Gemeinschaft suchen. Wie die Kirchengeschichte zeigt, liegen die Ursprünge dieses diakonalen Dienstes nicht in postkolonialen Interessen, sondern in christlicher Nächstenliebe.

Schlüsselwörter   Key Words
Entwicklungszusammenarbeit – Christkatholische Kirche der Schweiz – «Partner sein»

 

A view from without – Reflections on the Old Catholic Church from an Anglican Perspective

Charlotte Methuen

Zusammenfassung
Dieser Beitrag ist eine persönliche Reflexion über die altkatholische Kirche aus anglikanischer Perspektive. Die globale Natur des Anglikanismus und die Herausforderungen (aber auch die Vorteile) seines kolonialen Erbes stehen dem mehr auf Europa zentrierten Profil der altkatholischen Kirchen gegenüber. Die Kirche von England mag nicht immer die geeignetste Gesprächspartnerin für
Altkatholiken sein; grössere Ähnlichkeiten bestehen beispielsweise mit der Schottischen Episkopalkirche. Die Kirchengemeinschaft zwischen Anglikanern und Altkatholiken ist im Bonner Abkommen (1931) begründet, das die Sakramentsgemeinschaft sowie den Austausch der Ämter ermöglicht. Trotzdem ist die altkatholische Kirche in Grossbritannien relativ unbekannt (ähnlich wie in Deutschland selbst). Der Beitrag erkundet die mit dem Bonner Abkommen verbundenen Hoffnungen und die sich daraus entwickelnde Beziehung. Die Ausrichtung der Altkatholiken auf Ökumene und auf liturgische Entwicklung sowie das Engagement in diakonischen Projekten werden hervorgehoben. Die altkatholische Kirche ist eine kleine Kirche, die grösseren Kirchen etwas zu bieten hat, insbesondere im Hinblick auf die gewissenhafte Art, wie mit internem Dissens umgegangen wird.

 

Summary
This article offers a personal reflection on the Old Catholic Church from an Anglican perspective. The global nature of Anglicanism and the challenges (as well as the benefits) of its the colonial heritage stand in contrast to the more European-centred make-up of the Old Catholic churches. The Church of England may not always be the most obvious interlocutor for Old Catholics; more similarities may be found with, for instance, the Scottish Episcopal Church. Communion between Anglicans and Old Catholics was established through the Bonn Agreement (1931), which makes possible mutual participation in each other’s sacraments and the exchange of ministries. Nonetheless, the Old Catholic church remains comparatively little known in the United Kingdom (or indeed in Germany). The hopes resting in the Bonn Agreement are explored, and the resulting relationship considered. The Old Catholics’ commitment to ecumenism, their liturgical development, and their involvement in diaconal projects are highlighted. This is a small church which has larger churches something to offer, particularly in the conscious ways it has tacked disagreement.

Key Words – Schlüsselwörter
Anglican – Old Catholic – Bonn Agreement – ecumenical mission

 

Orthodoxie und Orthopraxie. Der rechte Glaube in verschiedener Praxis?

Stefanos Athanasiou

Zusammenfassung
Auch wenn 1987 der theologische Dialog zwischen der altkatholischen und orthodoxen Kirche zu einem erfolgreichen theologischen Abschluss kam, blieb die Kircheneinheit aus. Offensichtlich reichte die Orthodoxie, die rechte theologische Lehre, nicht aus, um das nötige Vertrauen einer Kircheneinheit zu gewährleisten. Fragen nach der Orthopraxie, nach der rechten Praxis, kamen auf, wodurch eine Einheit bisher nicht zustande kam. Orthodoxie und Orthopraxie müssen zusammen gesehen werden und beeinflussen sich gegenseitig. Die Suche nach der Wahrheit ist dabei nicht nur eine theoretische Forschung nach den Quellen, sondern das Bemühen, Wahrheit mitten im Leben zu erfahren. Diese Wahrheit in der Praxis des anderen erkennen zu können ist somit eine Grundvoraussetzung für die «Fleischwerdung des Dialoges».

Summary
Even though the theological dialogue between the Old Catholic and Orthodox Church came to a successful theological conclusion in 1987, church unity remains outstanding. It would seem that orthodoxy (right theological doctrine) is inadequate to ensure the trust required for church unity. The dialogue between the churches raised questions concerning orthopraxis (according to right praxis); whereby, unity has yet to materialize. Orthodoxy and orthopraxis should be seen together and influence each other mutually. Thus the search for truth not only involves theoretical research of the sources but the endeavor to understand the truth in the midst of life. Being able to recognize this truth in the praxis of others is, therefore, a fundamental requirement of practically “incarnated dialogue.”

Key Words – Schlüsselwörter
Orthodoxie (rechter Lobpreis) – Orthopraxie (rechte Praxis) – Orthopistie (rechter Glaube) – Rechtgläubigkeit – Dialog

 

Die Sicht der Anderen: Wie nimmt ein evangelischer Theologe die altkatholische Kirche wahr?

Martin Bräuer

Zusammenfassung
Der Autor beschreibt zunächst seine persönlichen Zugänge von seiner Gymnasialzeit bis zu seiner pfarramtlichen Tätigkeit. Sodann geht er auf die Wahrnehmung des Altkatholizismus durch den 1886 gegründeten Evangelischen Bund ein, besonders seines ersten Präsidenten Willibald Beyschlag. Des Weiteren schaut er auf die Wahrnehmungen des Altkatholizismus durch evangelische Gemeinden in Deutschland, durch die deutschen Kirchenleitungen und die Dialoge zwischen VELKD und dem Katholischen Bistum der Alt-Katholiken in Deutschland und deren Ergebnisse. Weiter wird der Dialog der Utrechter Union mit der Kirche von Schweden gestreift und gewürdigt. Schließlich werden die unterschiedlichen Bewertungen des Papstamtes durch die Evangelischen Kirchen und die Utrechter Union betrachtet und gewürdigt und die Problematik aufgezeigt.

Summary
The author describes his personal experience with Old Catholicism from his time in high school to his service as a pastor. Then he discusses how the Evangelische Bund that was founded in 1886 perceives Old Catholicism, especially its first president, Willibald Beyschlag. Furthermore, the author observes the perceptions and effects of the Old Catholic Church from the perspective of Evangelical
Churches in Germany, German church leadership, and the dialogue between VELKD and the Catholic Diocese of the Old Catholics in Germany. The dialogue between the Union of Utrecht and the Church of Sweden is mentioned and commended. Finally, the author examines and appreciates the various valuations by the Evangelical Churches and the Union of Utrecht regarding the office of the Pope and highlights the difficulties.

Schlüsselwörter – Key Words
Papstamt – Altkatholizismus – Protestantismus – Evangelischer Bund – Ökumenischer Dialog

 

 

 
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